Mein Ausland (Phoenix)

14. Oktober 2008 von  
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Jenseits von Washington – Mit Klaus Scherer durch Amerikas Wahljahr

Wenn der Chefbeleuchter der Jahrmarktbühne der Stadt Minot, North Dakota, in sein Motelzimmer zurückkehrt und per Telefon noch eine Pizza ordern will, hat er ein Problem: Der Mann heißt George W. Bush, so wie fünfzig weitere Namensvettern des US-Präsidenten. Mit telefonischen Bestellungen haben diese Menschen wenig Glück. “Und ich bin Donald Duck!”, hören sie dann am anderen Ende der Leitung, bevor das Gegenüber auflegt. Amerika-Korrespondent Klaus Scherer hat, wenn man so will, gleich drei Exklusiv-Homestories über George W. Bush gedreht, neben dem Bühnentechniker auch noch einen Anwalt in Florida und einen Ingenieur aus Ohio. Alle waren sie anfangs stolz gewesen, wie der Präsident zu heißen, kehrten sich aber bald ab von ihm – nicht nur wegen des Pizza-Problems. Weitere Reisen abseits des Politik-Geschäfts der Hauptstadt führten Scherer und sein Team in die Kleinstadt Anapolis, wo er zeigt, wie die Rezession den Mittelstand erreicht. Oder in die Wüste Arizonas, wo ein Pfarrer Trinkwasserstationen errichtet, seit dort immer mehr Grenzgänger aus Mexiko verdurstet aufgefunden werden. Scherer begleitet einen Kongress-Abgeordneten auf Heimatreise in Iowa, wo er – ganz anders als in Washington – Wahlkampf für John McCain macht und gegen Obama, die im Farmerstaat gleichauf liegen. Dazu kommt ein Zahnarzt zu Wort, der kostenlos unversicherte Kranke behandelt, weil das Land als einzige Industrienation immer noch keine nationale Gesundheitsversicherung hat. Und Trucker, die pleite gehen, weil auch in Amerika der Sprit teurer wird. So verdichtet sich ein Bild des anderen, zerrissenen Amerika, das täglich mit sich ringt, welche Lehren denn aus den Bush-Jahren zu ziehen sind. Nicht nur am Wahltag.