Wandern mit dem GPS

5. April 2013 von  
Abgelegt unter Reiseberichte, Zehrers Place!


Wanderungen | Hikes – Das GPS in der Praxis

Zur Planung und zum Wandern abseits gekennzeichneter Pfade braucht man eine Karte und einen Kompass, – ja, so war das früher. „Eleganter“, moderner, aber auch einfacher ist es, ein sogenanntes GPS-Gerät (sprich: tschi pi ess) zu benutzen. Aber und soviel vorweg: Sich nur auf sein GPS zu verlassen ist nachlässig!

Seit Ende der 1990er Jahre habe ich GPS-Geräte und obwohl ich mich nicht „wissenschaftlich“ mit der Thematik befasste, ist es mit ein wenig technischem Verständnis und Übung nicht schwierig, sich in der Materie „richtig zu bewegen“ und sein Ziel mittels GPS zu finden.

Ein Global Positioning System (deutsch: Globales Positionsbestimmungssystem) ist jedes weltweite, satellitengestützte Navigationssystem. Der Begriff GPS wird aber im allgemeinen Sprachgebrauch speziell für das NAVSTAR-GPS des US-Verteidigungsministeriums verwendet, das Ende der 1980er-Jahre zur weltweiten Positionsbestimmung und Zeitmessung entwickelt wurde. Die Europäer bauen derzeit an einem noch genaueren System, – es heißt „Galileo“. Soweit die theoretische Definition.

In der Praxis heißt das, dass ein GPS-Empfänger, den der Hiker mit sich trägt, Satellitensignale empfängt und aus diesen Signalen die aktuelle Position berechnet. Um Länge, Höhe, Breite zu bestimmen, werden mindestens 3 Satelliten benötigt. Mehr Satelliten zu empfangen führt dazu, dass die Position genauer bestimmt werden kann. D.h. aber auch, dass die Positionsbestimmung eben nicht millimetergenau durchgeführt werden kann, da Signalstörungen, und die können oft schon durch Wolken am Himmel entstehen, zu einer Ungenauigkeit führen. In der Regel navigiert man heute mit den Handgeräten für den Hiker mit einer Genauigkeit von rund 15 Metern.

15 Meter werden Sie sagen, das ist genug. Wenn Sie jedoch an einer Kante stehen und das Ziel in zwei Kilometern ebenfalls an dieser Kante liegt, können 15 Meter bedeuten, dass Sie, um zum Ziel zu kommen, abwärts oder aufwärts gehen müssten, je nachdem, wo sich das Ziel befindet. An diesem Beispiel wird deutlich, dass eine genaue Karte, auf der die Topographie des Geländes abgebildet ist, als zusätzliche Hilfe oft unerlässlich ist; von einem Totalausfall des GPS-Empfängers (Batterien leer) will ich gar nicht sprechen.

Kommen wir aber nun zur Praxis: Wie plant man nun einen Hike, wie überträgt man diese Planung auf einen GPS-Empfänger und wie navigiert man dann zu dem Ziel?

1. Planung
Für die Planung von Hikes gibt es so genannte Topographische Software, die als Basis Topographische Karten (i.d.R. Maßstab 1:24000) haben. Diese Software erlaubt nun, eine so genannte Route freihändig mit der Maus in die Karte, z.B. hier entlang einer ungeteerten Straße, zu zeichnen (siehe rote Linie auf der nächsten Grafik):

Topographische Karten: TOPO! ©2011 National Geographic

Der nächste Schritt ist, dass die Software diese Route interpretiert und mit so genannten Wegpunkten (Waypoints) definiert. Ein Wegpunkt ist nichts anderes als ein einzigartiger Punkt auf dem Erdball, der mit Länge und Breite, also Koordinaten, beschrieben ist.

Hier gibt es verschiedene Formate und verschiedene Gitter, die notiert werden bzw. auf den Erdball gelegt wurden. Ein sehr bekanntes Gitter ist das Gitter mit der Bezeichnung NAD83/WGS84. Es ist, neben UTM, das wohl gebräuchlichste Gitter. Als Notierung für den Wegpunkt wurde das Format DD.MM.SS (DD = Degrees, also Grad – MM = Minute, SS = Sekunde) gewählt. Wenn Sie also GPS-Koordinaten übernehmen (z.B. aus www.zehrer-online.de), dann achten Sie bitte peinlich genau darauf, dass die richtigen Formate und Gitter, die Sie in der Software einstellen können, übernommen werden. Ansonsten sind die Wegpunkte oft sehr weit davon entfernt, wo Sie eigentlich hinkommen wollen.

Aber nun zurück zur Karte, – so sieht es dann aus, wenn Wegpunkte, hier drei, vergeben wurden:

Topographische Karten: TOPO! ©2011 National Geographic

Die Karte zeigt nun Weg und Wegpunkte, die den Namen GPSPRAXIS0 (Start der Route) bis GPSPRAXIS2 (Ziel der Route) tragen. Diese Daten sind nach Fertigstellung in entsprechenden Dateien zu speichern.

2. Übertrag auf einen GPS-Empfänger
Nachdem die Routenplanung in der Topographischen Software abgeschlossen ist, wird das GPS-Gerät an den Computer (in der Regel über USB) angeschlossen. Sind die richtigen Treiber installiert, kennt der Computer und damit auch die Topographische Software den GPS-Empfänger.

Für Hikes empfiehlt sich ein Handempfänger, der in der Regel 20 – 50 Routen mit den entsprechenden Waypoints speichern kann. Als Beispiel sei hier das Gerät des Marktführers GARMIN gezeigt, das „Colorado 400t“):

Dieses Gerät zeigt sogar eine Basiskarte an, – sie ist jedoch nicht notwendig, da sie im Ernstfall zu wenig Details aufweist. Durch entsprechende Export-Möglichkeiten der Topographischen Software können nun die Daten der oben gezeigten Route auf das GPS-Gerät übertragen werden. Damit fahren sie nun in die Wildnis.

3. Navigation zum Ziel
Wenn Sie den GPS-Empfänger einschalten, können sie über entsprechende Menüs das Navigieren starten. Grundvoraussetzung dafür ist, das der GPS-Empfänger vorher Kontakt mit mindestens drei Satelliten aufgenommen hat. Ist das der Fall, zeigt der GPS-Empfänger die Navigationsbereitschaft an.

Sie starten nun die Navigation der entsprechenden Route und das GPS-Gerät zeigt Ihnen die Richtung und die Entfernung zum nächsten Wegpunkt an. Sie navigieren also von Punkt zu Punkt entlang der Route und zwar solange, bis Sie Ihr Ziel (= letzter Wegpunkt) erreichen.

Das sieht dann am Beispiel des „Colorado 400t“ so aus:

Links oben sehen Sie die Geschwindigkeit, mit der Sie sich bewegen, daneben die Meilen bis zum nächsten Wegpunkt. Darunter links die voraussichtliche Zeit, bis Sie am Ende der Route, d.h. am Ziel angekommen sind und daneben findet sich die ungefähre Zeit bis zum nächsten Wegpunkt. Der Kompass darunter zeigt Ihnen die Richtung an, in die sie marschieren müssen, um zum nächsten Wegpunkt zu gelangen. D.h. der Pfeil muss möglichst immer nach oben zeigen, um den kürzesten Weg zum nächsten Wegpunkt zu begehen.

So, das war ein kurzer und hoffentlich auch verständlicher Abriss über GPS und GPS-Navigation. Details gibt es selbstverständlich im Netz bzw. in den einschlägigen Handbüchern für die Topographische Software und die GPS-Hardware.

Hinweis: Ich persönlich empfehle nach wie vor das Garmin GPSMap 60CSx, denn ich habe es nicht nur seit ein paar Jahren, sondern es hat sich immer als zuverlässig und sehr robust erwiesen.

Keep hiking!

Fritz Zehrer
1st Zehrer[s] Place!
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