Wanderung | Hike – Angel Arch [Salt Creek]

26. Juli 2013 von  
Abgelegt unter Reiseberichte, Zehrers Place!

 

Um 5.45 Uhr verlassen wir bei 53 Grad F unser Hotel in Moab, Utah. Es ist leider total bewölkt und sieht nicht gut aus. Eigentlich wollen wir am Wilson Arch den Sonnenaufgang erleben, aber das wird nichts. Ein paar Strahlen beamt die Sonne durch die Wolken, – es sieht aus wie in den kitschigen Filmen, die sich mit dem Leben im Himmel befassen.

Wir fahren auf der 191er am Arch vorbei, es ist ja noch viel zu erledigen heute, und sind nach 1 1/4 Stunden im Canyonlands National Park. Unser heutiges Ziel, der Salt Creek, liegt im Needles District. Kurz nach dem Visitor Center geht es nach gut 75 Meilen links ab in die Prärie. Vorbei an großen Hoodoos erreichen wir den Salt Creek Jeep Trail und stehen bald vor dem Gatter, an dem das Zahlenschloss hängt. Die Kombination haben wir gestern mit unserer Permit bekommen. Ein bisschen fummeln ist schon notwendig, bevor das Schloss aufgeht.

Die Strecke führt 3,4 Meilen mitten durch den Fluss, der rund 20 cm tief ist. Nur ab und zu muss man raus auf tiefe Sandpisten. Unser Suburban leistet ganze Arbeit. Nachdem das Teil nicht das Schmälste ist, ist links und rechts, dort wo das Ufer des Creeks dicht bewachsen droht, nicht mehr viel Platz. Die ersten Büsche verursachen Geräusche, die ein Autovermieter nicht gerne hören mag, aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch. Tja, ich wollte nicht so ein großes Auto, sSkM – selbst Schuld, kein Mitleid!

Nach zwei Stunden stellen wir unser Auto am Peekaboo Camp ab, das mehr oder weniger eine Wendeschleife bzw. ein Parkplatz ist. Als wir unsere Bergschuhe schnüren, ist rechts oben bereits das erste Highlight auszumachen: Wir stehen unter dem Peekaboo-Window. Wir durchsteigen das Fenster und haben einen ersten Blick auf die hier bereits hohen Felstürme, die den Creek einrahmen.

Der Trail ist teilweise schwer zu finden, bzw. man verliert ihn immer wieder. Schwieriges Vorankommen und die Tatsache, dass wir noch gut 14 km bis zum Ziel haben, machen uns alles andere als zuversichtlich. Aber es wird mit zunehmender Dauer besser; das Gestrüpp weicht einem gut sichtbaren Weg. Einige Male überquerten wir den Creek. Im Wasser tummeln sich Myriaden von Kaulquappen, die es aber nicht alle schaffen werden. Einige Pfützen, aus denen es keinen Ausweg gibt, werden bald trocken liegen. Wunderschöne Blumen säumen den Wegrand und schon bald ist der erste, unbenannte Arch auszumachen. Er liegt hoch oben an einer der endlosen Felswände, die teilweise sehr bedrückend wirken. Die Strecke wird abwechslungsreich. Weitere Arche, wie der Two Bobs Arch, seine Konturen sehen aus, wie das Profil von Bart Simpson, bewachen den Creek.

Der Trail ist nicht sehr schön zu wandern, nur wenn die Natur die alte 4WD-Road nicht aufgefressen hat, kommen wir sehr gut voran. Aber die Anstrengung lohnt. Nach gut 4 Stunden Wanderung für mehr als 14 km stehen wir vor dem größten und schönsten Arch, den wir je gesehen haben. Der Angel Arch sieht wirklich aus wie ein großer Schutzengel, der von oben alles überwacht und sich ziemlich relaxed am Arch anlehnt. Dieser sogenannte Molar, ein überdimensionierter Hoodoo, komplettiert das fantastische Bild. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen drei Felsbögen, die Terrace Arches aka. Gable Arches, ziemlich weit oben. Erst das Fernglas macht die Dimensionen deutlich. Wir packen unsere Brotzeit aus und genießen diese unbeschreibliche Lokation. Ohne große Pause wandern wir weiter hinauf, um noch andere Perspektiven des Angel Arch zu erhaschen. Unbeschreiblich, wirklich!

Angel Arch - Salt Creek - Canyonlands NP Needles District

Leider droht nach gut einer Stunde Aufenthalt der noch lange Rückweg. Durch dieses tolle Erlebnis ist die Motivation jedoch groß. Die brauchen wir, denn die Anstrengung steht uns inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben. Die letzten drei Kilometer waren nur noch der Horror. Durch das Jetlag sind wir sicher nicht ganz auf der Höhe unserer körperlichen Leistungsfähigkeit und die Beine bewegen sich nur noch statisch vorwärts. Es ist wie ab Kilometer 36 beim Marathon. Ein Stehenbleiben hätte die Sache nur noch schlimmer gemacht. Und so müssen wir uns über den Willen, der ist ja im Sport bekanntlich das Wichtigste, vorwärts bewegen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Mücken inzwischen in uns eine leichte Beute entdeckt haben. Stinken wir so?

Zum Schluss, kurz vor dem Peekaboo-Window waren wir uns nicht mal mehr sicher, ob wir uns nicht verlaufen hatten. Aber Gott sei Dank weist uns unser GPS den richtigen Weg. Als wir wieder oben am Peekaboo-Window waren und es durchgestiegen sind, war das Auto, das unten im Camp stand, der schönste Anblick, den man sich vorstellen kann. Nach 8,5 Stunden Wanderung und 28,16 km haben wir es endlich wieder erreicht. Der Eistee kam bei den ersten Schlucken gar nicht im Magen an 😉 Ein herrliches Gefühl beschleicht uns, als wir im Auto sitzen und durch das Flussbett rauschen. Das war anstrengend, aber einzigartig.

Nach insgesamt 12,5 Stunden hat uns Dave vom Dreamkeeper Inn sehr herzlich begrüßt und wir bezogen wieder unser Tree Zimmer – die Dusche war eine Wohltat. Dann schleppten wir uns noch in den Pizza Hut, weiter wären wir heute nicht mehr gekommen.

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